Zelten 65+

Liebe Besucher dieser Seite,

es gibt Sachen, die macht man mit 65+ einfach nicht mehr. Radfahren wird von den Mitmenschen akzeptiert. Wie ist das aber, wenn man mit lautem Jauchzen in der Fußgänger­zone über eine Sitzbank springen will? Hiervon nimmt man lieber Abstand! Erstens, weil man damit rechnen muss, dass anwesende Passanten dem zuständigen Amt die Beobachtung der eigenen Person anraten und zweitens, weil die eigene Lebenserfahrung mit Blick auf gesundheitliche Folgen davon abrät.

Zelten liegt meiner Meinung nach im Grenzbereich.

Zwar muss ich damit rechnen, dass einige Zeitgenossen sagen "Ach lass die doch, sie richten doch keinen Schaden an" oder andere mitfühlend denken "Eigentlich sind die zu bedauern, leben schon in der Vergangenheit". Mit diesem Risiko lebe ich gern und inzwischen weiß ich von mindestens zwei Per­sonen, dass sie mir das Zelten nicht als "unnormal" anrechnen.

Nun will ich mich nach diesem kleinen Vorwort dem "Zelten 65+" endlich zaghaft nähern: Nach vielen Jahren des Zelturlaubs als Familie kam 1990 eine Zeit, die die erwachsenen Kinder in die eigene Welt führte und mir und meiner lieben Frau einen kleinen Caravan bescherte. Später, nach rund 20 Jahren Caravan­camping, wieder in ein Zelt zu krabbeln, war kein sehr naheliegender Gedan­ke und meine liebe Frau blickte mich immer mit großen Augen, rücksichtsvoll Verständ­nis­losigkeit ausdrückend, an, wenn ich das Gespräch auf dieses Thema brachte. Vielleicht war es die im Unterbewusstsein wirkende Sinneskrise eines reiferen Mannes, die den Zeltge­dan­ken fest einbrannte und zum Ziel erhob – es hätte ja auch ein Wohnortwechsel in die Antarktis sein und damit ein echtes Problem werden können.

Mit den ersten schönen Erlebnissen kehrte der Familienfrieden zurück und meine liebe Frau nimmt inzwischen das von mir bereitete Frühstück vor dem Zelt an. Was war geschehen?

Grundsatz 1:  Gezeltet wird nur, wenn der Wetterbericht eine geeignete stabile Lage verspricht; die in früheren Jahren gesammelten "Regenerfahrungen" sollen nicht ergänzt werden.

Grundsatz 2:   Ein ausreichend geräumiges Zelt soll ohne Hilfe Dritter von zwei Personen 65+ problemlos und schnell aufzubauen und später wieder abzubauen sein. Eine echte Herausforderung – die Lösung war "VAUDE Sly Fox Camp", zwei V-Gestängebögen, an die das Außenzelt einfach und schnell angeclipt wird. Mit dem Aufbau dieses Zeltes beeindruckt man alle Campingnachbarn, auch jene, die bereits den Vorsatz gefasst hatten, Aufbauhilfe anzu­bieten, denn das Außenzelt steht so rasch, dass der Hilfsbereite nicht einmal mehr zum Artikulieren seines Angebotes kommt. (Das ist ein wenig übertrieben, aber mit 65+ darf ich so.)

Grundsatz 3:  Im Schlaf sollen sich Körper und Geist erholen und danach offen für den neuen Tag sein. Zuhause nutzt man inzwischen Matratzen in deren Herstellung Forschungsergebnisse der Raumfahrt einflossen – wie bereite ich bloß diese Situation für meine liebe Frau (und natürlich auch für mich) in einem Zelt. Ich befragte Fachleute und lag zur Probe auf verschiedenen Unterlagen; die Angebote im Outdoormarkt waren eine echte Überraschung. Im Zelt gut schlafen, das geht tatsächlich – meine Variante: dicke Isomatten als Unterlagen, darauf selbstaufblasende Luftma­tratzen (Therm-a-Rest) ... wie im siebenten Himmel!
Ein Nachtrag muss sein: Weil mich beim öffentlichen Probeliegen in einem Outdoorkaufhaus die anderen Kunden etwas von der Sache ablenkten, war ich dann doch nicht ausreichend locker und konzentriert.

Grundsatz 4:  Volumen und Gewicht der gesamten Aus­rüstung sollen möglichst gering sein – in einem Outdoor­bericht las ich einst "Der Wanderer braucht nur so viel, wie er tragen kann." Dieser Spruch war Leitbild beim Zusammenstellen der Ausrüstung – Gewichtsfetischist wird jemand genannt, der diesen Gedanken ausreizt.

Da gibt es aber auch nette Sachen:

Mikrofaser- Handtuch 80cmx40cm im Neoprenbeutel 68g, 3-teiliges Titan­besteck in Nylon-Tasche mit Klettverschluss und Gürtel­schlaufe - Gewicht: 54 g, Titanteller 62g usw.

Grundsatz 5:  Die Campingmöbel klein, fein und qualitätsbewährt.

Nordisk Micro-Table 760g, Alu-Rolltisch (großer Bruder) 6900g, Snow Peak Pad in Chair 2750g

Grundsatz 6:  Die Campingküche klein, fein und praktisch.

Jetboil Systemstove (Gaskocher und Kartusche passen in den Topf), GSI Kaffekanne mit Filteraufsatz (wird in der "Kanne" aufbewahrt),

Bei Dunkelheit: Primus Micron Laterne Piezo (120g ohne Kartusche)

Wie man sieht, kann man sich einen ganzen Winter lang damit beschäftigen, über die richtige Ausrüstung zum Zelten nachzudenken. Also – probieren Sie es selbst; viel Freude dabei, ich hatte sie.
 
Volker Lang

Übersicht Erlebnisse

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